4. AIR-Business-Frühstück: „Geoinformation und Windkraft“ – da geht noch mehr!

Auf ein „volles Haus" blickte Dr. Hartmut Dienst, Geschäftsführer des Anwenderverbands für integrierte Rauminformationen und Technologien (AIR) e.V., bei seiner Begrüßung zum 4. AIR-Business-Frühstück am 14. Dezember im Herner Innovations- und Gründerzentrum, dem Sitz des AIR e.V.

„Der neue NRW-Windenergie-Erlass: Chancen für bzw. mit Geoinformationstechnologien!?" – zu diesem hochaktuellen Thema trafen sich im Rahmen des AIR-Business-Frühstücks etwa 30 Experten aus den Fachverwaltungen, von Projektierungs- und Planungsbüros sowie Dienstleister der Geobranche, um Status, Bedarf und marktfähige Möglichkeiten hinsichtlich der Nutzung von Geodaten und Geoinformationstechnologien zum Ausbau der Windenergienutzung zu diskutieren.

Geonet NRW-Projektleiter Olaf Büscher von der EFTAS GmbH führte durch die Veranstaltung. „Der Raumbezug bei der Planung von Windenergieanlagen im Rahmen der Standortausweisung bei konkurrierenden Flächennutzungen, bei Wirtschaftlichkeitsprognosen oder bei der Bürgerbeteiligung liegt auf der Hand. Wir wollen mit diesem AIR-Business-Frühstück den Dialog zwischen den involvierten Akteuren unterstützen, wenn es darum geht, zur Umsetzung der ambitionierten Ziele des NRW-Windenergie-Erlasses die Geoinformationstechnologie optimal in Wert zu setzen", so Büscher einstimmend.

Mit dem ersten Impulsbeitrag „Windenergie in NRW – Einordnung" konkretisierte Stephanus Lintker als Netzwerkmanager Windkraft vom Landes-Cluster EnergieRegion.NRW die Inhalte des NRW-Windenergie-Erlasses.

Ellen Grothues vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen erläuterte im zweiten Impulsbeitrag die aktuellen Arbeiten zur „Potenzialstudie Windenergie NRW".

Der dritte Impulsbeitrag „Mit Geoinformationen Standortplanung objektivieren und vereinfachen" von Markus Braun, dem Leiter des Geschäftsbereichs Umweltmanagement der M.O.S.S. GmbH, präsentierte anschaulich einen pragmatischen Anwendungsansatz zur Visualisierung von 3D-Geodaten für Zielgruppen, die in der Regel nicht auf spezielle Geoinformationstechnologie zurückgreifen.

In der anschließenden Gesprächsrunde kristallisierten sich im Kern vier Diskussionsstränge heraus:

  • aktuelle Geoinformationstechnologie bietet Chancen

    Dem Einsatz von innovativen Entwicklungen der Geoinformationsbranche wie dem vorgestellten M.O.S.S.-Ansatz wird generell das Potenzial zugesprochen, den Ausbau der Windenergie-Nutzung im wahrsten Sinne des Wortes zu beflügeln.

  • differenzierte Betrachtungsweise der Planungsphasen ist unerlässlich

    Hinsichtlich des Einsatzes dieser Entwicklungen muss aber sehr differenziert betrachtet werden, zu welchem Zweck, d.h. in welchen Planungsphasen, sie zur Realisierung von Windenergieanlagen eingesetzt werden sollen.
    Anwendungen für Visualisierungen im Bereich Bürgerbeteiligung und Kommunikation sind schwer vergleichbar mit Applikationen zur rechtlich oder wirtschaftlich belastbaren Ausweisung und Bewertung möglicher Anlagenstandorte.
  • der Zugriff auf amtliche Geodaten muss verbessert werden

    Insbesondere für den letztgenannten Anwendungsfall ergeben sich für die Planer Probleme hinsichtlich des Bezugs amtlicher Geodaten. Zuständigkeiten in der Verwaltung, Verfügbarkeit, Kosten, Lizenzbedingungen und Formate von Geodaten – all das sind Faktoren, welche in ihrer kommunalen Heterogenität die Nutzung der Daten maßgeblich erschweren. Verschärft wird die Problematik bei Planungen, die administrative Grenzen überschreiten. Auch die Aktualität von amtlichen Geodaten ist zum Teil unzureichend.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass der AIR die Fachgruppe „Wertschöpfung öffentlicher Geodaten in der Wirtschaft" (http://www.air-verband.de/nrwprojekte/fachgruppe-woeg.html) ins Leben gerufen hat, um Akteure der öffentlichen Verwaltung sowie Industrie- und Wirtschaftsvertreter mit dem Ziel zusammenzubringen, die Bestrebungen zur In-Wert-Setzung verfügbarer amtlicher Geodaten zu forcieren. Die oben geschilderte Situation soll dort aufgegriffen werden.

  • ein deutschlandweit einheitliches Informationssystem ist erforderlich

    Die Diskussion verdeutlicht, dass ein Informationssystem aufgebaut werden muss, das deutschlandweit die benötigte Geoinformation bereit stellt.

    Dies ist zum einen wichtig für die fachspezifische Planung, zum anderen aber auch unerlässlich, um den Erfordernissen einer gesamtheitlichen Planung zum Energienetz der Zukunft mit dezentralen, verschiedenartigen Produzenten und entsprechenden Flächennutzungskonkurrenzen gerecht zu werden.

    Diese Ansicht findet sich auch als Forderung nach einem Geodienst „Energiesysteme Deutschland" im Positionspapier „Energiewende"
    (http://www.ddgi.de/aktuelles-mainmenu-51/265-der-ddgi-fordert-einen-bundesweiten-geodienst-energiesysteme-deutschland) des Deutschen Dachverbands für Geoinformation (DDGI) e.V. wieder: „Es besteht Bedarf für einen deutschlandweiten einheitlichen Geodienst, der alle relevanten Informationen zu neuen dezentralen Energiesystemen der Zukunft in ausreichender Aktualität und Vollständigkeit in georeferenzierter Form enthält und in digitalen und nutzerfreundlichen Karten abbildet.“

In diesem Sinne wird der AIR weiter Wissenstransfer und Netzwerkarbeit betreiben, um auf die nötigen Weichenstellungen hinzuwirken.
Einen weiteren Beitrag in diese Richtung wird bereits ein nächstes AIR-Business-Frühstück im ersten Quartal 2012 leisten. Dann wird das Thema „Rauminformationen und Technologien bei der Trassenplanung / dem Netzausbau“ branchenübergreifend diskutiert. Weiteres dazu in Kürze.

Hier finden Sie die Pressemitteilung als PDF:
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