Delmenhorster Erklärung zur Geoinformationswirtschaft vom 23.6.2005

2. Delmenhorster Geoinformationsforum unter der Schirmherrschaft von Herrn Innenminister Uwe Schünemann, unter Leitung von Vera Dominke (MdB) und unter Mitwirkung vom Deutschen Dachverband für Geoinformation DDGI e. V. Hanse-Wissenschaftskolleg, Delmenhorst, den 23. Juni 2005

 

Präambel

Raumbezogene Informationen (Geoinformationen) dienen nicht nur hoheitlichen Aufgaben und der Daseinsvorsorge. Integriert in Geschäfts- und Entscheidungsprozesse in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung sind sie vielfältig nutzbar, schaffen Transparenz und setzen Hebelkräfte frei. In

gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Hinsicht profitiert insbesondere der Bürger, da sein tägliches privates und berufliches Handeln häufig durch Fragen wie Was ist Wo?

gekennzeichnet ist. Ähnliches gilt für Wirtschaftsunternehmen, die ebenfalls von geobasierten Prozessen profitieren.

Die gegenwärtige Situation zeigt jedoch, dass für diese Zwecke die Möglichkeiten der Informationstechnologie noch nicht umfassend genutzt werden. Ein Grund dafür liegt in den noch nicht ausreichend optimierten Strukturen und Bedingungen um effizient öffentliche Geoinformationen nutzen zu können. Es muß daher mit vereinten Kräften und multidisziplinär an einer umgehenden Verbesserung dieser Situation gearbeitet werden.

Vor diesem Hintergrund und in Kenntnis des Memorandums der GIWKommission Digitaler Rohstoff Geoinformationen ein Beitrag zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland (www.geoinformationswirtschaft.de) und der Düsseldorfer Erklärung Zukunft Geoinformationsmarkt

(www.ddgi.de) fordern die Teilnehmer des 2. Delmenhorster Geoinformationsforums die mit der Erfassung und Verwertung von raumbezogenen Informationen (Geoinformationen) befassten öffentlichen Einrichtungen in Bund, Ländern und Kommunen auf, zu den in den genannten

Papieren formulierten Forderungen und Zielen Stellung zu nehmen, ein übergreifendes Lösungskonzept zu entwickeln und dieses gemeinsam umzusetzen.



Handlungsaspekte

Die Referenten und Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung des 2. Delmenhorster Geoinformationsforums bekräftigen mit ihren Beiträgen den akuten Handlungsbedarf. Die nachstehenden Punkte sind als besonders lösungsbedürftig identifiziert worden, so dass eine übergreifende Lösungsstrategie besonders daran orientiert werden sollte.


 

A Allgemeine Aspekte

- Sensibilisierung der Bedarfsträger in der öffentlichen Verwaltung für die heutigen technologischen Möglichkeiten und der daraus resultierenden neuen Nutzungsmöglichkeiten, Bedarfe und Marktanforderungen

- Förderung der Erschließung, Bereitstellung und Nutzbarmachung von kommunalen Geoinformationen

- Herstellung von Rechtsverbindlichkeit in der Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Nutzung öffentlicher Geoinformationen

- Lockerung, Vereinfachung und Harmonisierung des Datenschutzes und der Nutzungsrechte durch Abgleich realer Anforderungen mit juristischer Notwendigkeit und durch Prüfung der wirklichen

Schutzwürdigkeit von öffentlichen Geoinformationen

- Anregen von Synergieeffekten durch Kooperation von Wirtschaft und Verwaltung in Verbindung mit unverzüglicher konsequenter Verwendung von bereits verfügbaren Wirtschaftslösungen für

marktwirtschaftliches Handeln mit öffentlichen Geoinformationen

Sofortige Verwendung von verfügbaren GDI-Komponenten (Portale, Shoplösungen, Metainformationssysteme)

- Erleichterung des Zugangs zu öffentlichen Geodaten/Geoinformationen

- Unterstützung der Anwendung von Geoinformationen, Geoinformationssystemen und Geodateninfrastrukturen auf allen Ebenen des Bildungssystems zur Stärkung der Innovationskraft

Deutschlands

- Förderung des Wissenstransfers aus Wissenschaft in Wirtschaft und Verwaltung

 

B Fachlich-technische Aspekte

- Optimierung der öffentlichen Geodatenbestände (Aktualität und Flächendeckung vor Vollständigkeit und Genauigkeit)

- Gemeinsame, bundesweite Spezifikationen von Wirtschaft und Verwaltung für Datenmodellierung und Datenaustausch von Geobasis- und Geofachdaten mit Geodateninfrastrukturen (Homogenisierung)

- Herstellung der homogenen und einheitlichen Verfügbarkeit von Geodatenbeständen aus Bund, Ländern und Kommunen

- Einhaltung von Industriestandards und Industrieforderungen (Ausfallsicherheit, Hochverfügbarkeit, Hotlinedienste und Support) für die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle mit Geoinformationen

bei der Einrichtung öffentlicher GDI-Komponenten (Geodatenserver, Metainformationssysteme)

 

C Organisatorisch-wirtschaftliche Aspekte

- Klare Abgrenzung der Aufgaben und des Agierens von Verwaltung und Wirtschaft im Geoinformationswesen

- verteilte und vernetzte Haltung von öffentlichen Geodaten

- vernetzte und einheitliche Zugänge zu öffentlichen, flächenhaften Geodaten

- Sicherstellung eigener zentraler Geodatenzugänge aus unterschiedlichen Sichten (Verwaltungssicht, Markt- bzw. Branchensicht, geographische Sicht usw.) und Verzicht auf exklusive,

organisatorische Zentralisierung eines internetbasierten Geodatenzugangs

- Klare Zuständigkeiten in Bund, Ländern und Kommunen

- eindeutige Ansprechpartner und zentrale Clearingstellen bzw. Informationsbroker

- umgehende Entwicklung von internetgerechten, flexiblen, einheitlichen und marktorientierten Preismodellen für die Bereitstellung und Nutzung öffentlicher Geobasis- und Geofachdaten

- Dezentralisierung des Vertriebs von Geoinformationen für Markterschließungszwecke, Innovationsförderung und Geschäftsenabling im Sinne privatwirtschaftlich organisierter Clearingstellen

- Aufbau einer bundesweiten Koordinierungsplattform insbesondere für die auf kommunale Daten ausgerichtete Geoinformationswirtschaft

- Einbindung und konsequente Nutzung privatwirtschaftlicher Lösungen in die Vertriebswege für öffentliche Geodatenbestände.

 

D Unterstützungsbeiträge von Teilnehmern des 2. Geoinformationsforums

- Der Deutsche Dachverband für Geoinformation (DDGI e. V.) vertritt in Deutschland und auf europäischer Ebene die interdisziplinären deutschen Interessen des Geoinformationswesen. Im Sinne dieser Aufgabe bietet der DDGI als PPP-Organisation an, interdisziplinäre Koordinierungs-, Moderations- und Clearingaufgaben im Sinne der Lösung der anstehenden Aufgaben zu übernehmen. Der DDGI steht dafür mit dem Kompetenznetzwerk seiner Mitglieder zur Verfügung.

- Als ein Beitrag der Privatwirtschaft zur Kosteneinsparung in Behörden und Ämtern beim Vertrieb von Geodaten bietet die on-geo GmbH an über ihr Geodatenportal amtliche Rasterdaten bereitzustellen und zu beziehen um die diesbezüglichen Bedürfnisse der Behörden zu decken. Dies kann unmittelbar erfolgen, da keinerlei Investitionen zum Portalaufbau erforderlich sind.

 

Für die Referenten und Teilnehmer des 2. Delmenhorster Geoinformationsforum.

Gez. Vera Dominke (MdB)