Politisches Programm des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation e.V. (DDGI) für die 19. Legislaturperiode

Kurzfassung:

Die Positionen des DDGI:

  1. Digitalisierung und Geoinformation als Bausteine der gesellschaftlichen Entwicklung.
    Geoinformation braucht eine(n)Ansprechpartner(in), der/die über alle Verwaltungsstrukturen hinweg unabhängig von Parteiinteressen eine Harmonisierung koordiniert.

  2. Geoinformationstechnologien zur Stärkung der digitalen Zusammenarbeit in Europa nutzen.
    Europa ist bei der INSPIRE-Richtlinie an einem wichtigen Punkt der Umsetzung angelangt. So kann der europäische Gedanke gefestigt und zum nachhaltigen Aufbau von harmonischen Strukturen genutzt werden. 

  3. Harmonisierung und Erweiterung der nationalen und europäischen Informationsinfrastrukturen
    Das breite bereits vorhandene Spektrum von Infrastrukturen soll genutzt, ausgebaut und verfestigt werden.

  4. Kompetenzentwicklung und Ausbildung
    Die Berufsausbildung und das Studium in allen Fachrichtungen dieser Berufe verschafft eine solide Basis zum Erhalt der hervorragenden Qualität des deutschen Geoinformationswesens. Dem bereits jetzt spürbaren Fachkräftemangel muss durch eine Ausbildungskampagne entgegengewirkt werden. 

  5. Geoinformation zur Förderung der Wirtschaft
    Die Wirtschaft setzt in vielen Prozessen auf Geoinformationen, wo sie mittlerweile unverzichtbar geworden sind. Die Märkte für Dienste und Produkte aus Geodaten und Satellitendaten gewinnen weiterhin an wirtschaftlicher Bedeutung und sind Vorreiter in den Technologiebereichen der Digitalisierung und der Open-Data Strategien.

  6. Geoinformationstechnologien zum Ausbau von Monitoringdiensten
    Das volle Potenzial der europäischen Copernicus-Daten und moderner Geoinformationstechnologien ist für Akteure in Deutschland bekannt und nutzbar zu machen.

Der DDGI unterstützt dies mit seinen Aktivitäten.

pdf Geoinformation zur Beschleunigung der Digitalisierung in Deutschland (5.68 MB)

Nachfolgend finden Sie das ausführliche und vollständige Programm:

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

  1. Digitalisierung und Geoinformation als Bausteine der gesellschaftlichen Entwicklung
  2. Geoinformationstechnologien zur Stärkung der digitalen Zusammenarbeit in Europa nutzen
  3. Harmonisierung und Erweiterung der nationalen und europäischen Informationsinfrastrukturen
  4. Kompetenzentwicklung und Ausbildung
  5. Geoinformation zur Förderung der Wirtschaft
  6. Geoinformationstechnologien zum Ausbau von Monitoringdiensten nutzen

 

Geoinformation zur Beschleunigung der Digitalisierung in Deutschland

Politisches Programm des

Deutschen Dachverbandes für Geoinformation e.V. (DDGI)

für die 19. Legislaturperiode

 

Der Deutsche Dachverband für Geoinformationen e.V. (DDGI) begrüßt die Vereinbarung der Regierungsparteien im Koalitionsvertrag:

„Den digitalen Wandel von Wirtschaft, Arbeit und Gesellschaft werden wir so gestalten, dass alle davon profitieren, wir setzen auf Innovationen und wollen aus technischem sozialem Fortschritt machen.“

Die Geoinformationsbranche ist ein wesentlicher Motor und liefert den „Treibstoff“ der Digitalisierung. Ferner begrüßt der DDGI die Erklärung der Koalitionspartner, dass sie „um die Chancen und den Nutzen behördlicher Verwaltungsdaten für Wirtschaft und Bürgerinnen und Bürger noch weiter zu verbessern, … im Rahmen eines zweiten Open Data Gesetzes die Bereitstellung von Open Data ausweiten.“ Der DDGI versteht die Aussagen, auch im Sinne der europäischen Dimension des Koalitionsvertrages, als klares Bekenntnis der Koalitionspartner zu einem auch international starken und innovativen Geoinformationsstandort Deutschland.

Der DDGI wird daher, u.a. in Zusammenarbeit mit dem europäischen Dachverband für Geoinformation (EUROGI) die Inwertsetzung der Geoinformationen für Europa weiterhin unterstützen.

Für den DDGI ist das wichtige Thema Geoinformation integraler Bestandteil der Vereinbarungen des Koalitionsvertrags. Wir verknüpfen dieses Verständnis mit konkreten Empfehlungen zur Beschleunigung der Digitalisierung in Deutschland durch die verbesserte Nutzung von Geoinformationen und bieten die aktive Unterstützung bei der Umsetzung der folgenden Empfehlungen an.

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1.) Digitalisierung und Geoinformation als Bausteine der gesellschaftlichen Entwicklung

Die Bundesregierung soll eine(n) “Nationale(n) Beauftragte(n) für Geoinformation“ ernennen, die/der die Aufgabe hat zum Zwecke der Homogenisierung und Harmonisierung das Geoinformationswesen flächendeckend über alle Verwaltungsebenen hinweg zu koordinieren. Geoinformation und Digitalisierung sind immer eng miteinander verknüpft und die Förderung beider wäre ein dringend erforderliches und klares Signal zur Unterstützung des Umsetzungsprozesses der Digitalisierung bei gleichzeitiger Erschließung des immensen Wertschöpfungspotenzials von Geoinformationen. Der DDGI geht davon aus, dass es sich bei der Digitalisierung neben dem reinen technischen Prozess auch um einen gewaltigen gesellschaftlichen Wandel handelt, der gerade von der in Deutschland im europäischen Vergleich noch führenden Geoinformationsbranche massiv unterstützt werden könnte. Dazu bedarf es jedoch neben der rein sachlichen Förderung auch einer ideellen Stärkung, die einhergehen muss mit der öffentlichen Unterstützung dieser Branche. Somit wäre die Hauptaufgabe des/der Nationalen Beauftragten für Geoinformation die Unterstützung durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit für eine Basisbranche, die in Zeiten von Fachkräftemangel, erhöhtem Datenschutz und Zersplitterung der Zuständigkeiten selbst Maßnahmen initiieren, fördern und hervorheben muss.

Aus diesem o.g. Grund gehört zu der von der Koalition vereinbarten Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikations-Strategie (IKT-Strategie) für die digitale Wirtschaft auch die besondere Berücksichtigung von Geoinformationen in diesem Prozess. Geoinformationen – der Raumbezug der Informationen – sind die entscheidende Komponente für Analysen und Entscheidungen unterschiedlichster Art. Die Programme Galileo, Copernicus und INSPIRE sind dabei besonders zu berücksichtigen. Die Erschließung ihres Nutzungspotenzials ist durch Zusammenführung raumbezogener Schlüsseltechnologien (Positionsbestimmung, Mobilfunk, Geoinformationssysteme, Fernerkundungsdaten, In-Situ-Informationen) voranzutreiben. Schon jetzt nach nur teilweiser Umsetzung dieser Programme zeigen sich erste Mehrwerte, die für alle Bereiche der Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft erbracht werden.

Gebühren und Entgelte im Geodaten- und Geodienstevertrieb sind in den Bereichen, wo sie noch Bedeutung besitzen, bundesweit und über alle Verwaltungsebenen hinweg zu harmonisieren. Ein nachhaltiges Geschäftsmodell für die Vermessungsverwaltung ist sicherzustellen, damit die hohe Qualität der Geoinformationen in Deutschland auch langfristig gewährleistet wird. Die Vertriebswege und -strukturen sind anzupassen.

Auch sollten die deutschen Geo-Interessen durch die/den Nationale(n) Beauftragte(n) für Geoinformation in der EU bzw. in EU- Förderprogrammen engagiert vertreten werden.

Die Umsetzung der Strategie kann nur gelingen, wenn die Koalition gemeinsam mit Wirtschaft, Tarifpartnern, Zivilgesellschaft und Wissenschaft daran arbeiten. Wir begrüßen insbesondere die Absicht der Koalition, die Rahmenbedingungen für die IKT-Industrie zu verbessern und Bürokratie abzubauen.

Unser Ziel ist es, dass Geoinformationsprojekte immer frei von politischen Interessen mit dem Schwerpunkt auf Wirtschaftlichkeit und Nutzbarkeit der Ergebnisse durchgeführt werden. Das oberste Ziel dabei muss stets der Nutzen für die Gesellschaft und den Staat sein.

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2.) Geoinformationstechnologien zur Stärkung der digitalen Zusammenarbeit in Europa nutzen

Die Empfehlungen zur Beschleunigung der Digitalisierung in Deutschland beginnen bewusst mit der Darstellung der Handlungsoptionen im europäischen Kontext. Die Europäische Union hat mit Initiativen und Programmen wie der Open-Data-Initiative, INSPIRE und Copernicus wichtige Impulse zur Erfassung und Nutzung von Geoinformationen im globalen, europäischen und nationalen Rahmen gesetzt. Damit sind Möglichkeiten zur Stärkung der digitalen Zusammenarbeit in Europa geschaffen worden. Mit Copernicus ist erstmals ein global flächendeckendes, zeitlich hochauflösendes Monitoring von umwelt- und sicherheitsrelevanten Prozessen möglich. INSPIRE tritt mit wichtigen Terminen zur Einführung im Jahr 2019 in dieser Legislaturperiode in eine entscheidende Phase zur erstmalig möglichen Nutzung europaweit homogenisierter Geoinformationen über eine gemeinsame Geodateninfrastruktur. Mit der Open-Data-Initiative ist der Rahmen für die freie Nutzung von Daten für Europa gesetzt worden. Damit wurden nicht zuletzt auch in Deutschland Nutzungsbarrieren für die Inwertsetzung von Daten des Bundes und der Länder abgebaut. Eine Beschleunigung von Digitalisierungsprozessen in Deutschland ist dadurch schon jetzt erkennbar. Ein gutes Beispiel dafür sind die nun in einigen Bundesländern wie z.B. in Nordrhein-Westfalen bereits als Open Data verfügbaren Geoinformationen der Landesvermessungsverwaltungen. Nun gilt es diese Entwicklung weiter zu unterstützen und die noch nicht frei verfügbaren Daten z.B. weiterer Bundesländer, aber auch zahlreicher Kommunen zu erschließen, technische und rechtliche Hürden abzubauen und somit die Digitalisierung in Deutschland zu beschleunigen. Der DDGI bietet hierzu auch in Kombination mit dem Europäischen Dachverband EUROGI seine Unterstützung an.

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3.) Harmonisierung und Erweiterung der nationalen und europäischen Informationsinfrastrukturen

Das volle Nutzenpotenzial von Geoinformationen erschließt sich häufig erst durch die Verknüpfung mit weiteren raumbezogenen Informationsangeboten. Daher sind die Integrierbarkeit der über INSPIRE, GDI-DE, CODE-DE und Open Data Initiativen angebotenen Geoinformationen sicherzustellen und deren Bereitstellungswege zu harmonisieren. Die GDI-Kopfstellen in Bund und Ländern müssen als zentrale Ansprechpartner für ALLE raumbeziehbaren Datenbestände der Verwaltung ausgebaut werden.

Die GDI-DE muss technologisch geöffnet und konsequent weiterentwickelt werden. Nur durch die Unterstützung aktuellster Technologien kann sie dauerhaft Basis für moderne und technologisch richtungsweisende Lösungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung sein werden. Insbesondere ist im Sinne einer offenen GDI die Vernetzbarkeit mit privaten Angeboten zu ermöglichen.

Im Sinne von Open Data und Open Innovation sind Strategien zu entwickeln und umzusetzen, die helfen, die Nutzungs-, Innovations- und Wertschöpfungspotenziale einer offenen GDI und offener Geodaten für Gesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft zu erschließen.

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4.) Kompetenzentwicklung und Ausbildung

Der von Wirtschaft und Verwaltungen gemeldete Bedarf an Fachkräften im Bereich Geoinformatik / Geoinformation kann aktuell bei weitem nicht gedeckt werden. Die Auswirkungen auf Wirtschaftsentwicklung und Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben sind unmittelbar. Das öffentliche Bewusstsein bzgl. Berufsbild und Karrierechancen im öffentlichen Dienst sind durch gezielte Kampagnen u.a. der Bundesagentur für Arbeit zu fördern.

Das Bildungsangebot bundesdeutscher Schulen muss konsequent auf die neuen Herausforderungen einer zunehmend digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt abgestimmt werden. Dies bedeutet insbesondere auch, dass der Erwerb von Kompetenzen zum Umgang mit digitalen Geoinformation und zur Bearbeitung raumbezogener Fragestellungen mit Geoinformationssystemen curricular verpflichtend zu verankern ist. Ein bundesweit verfügbares Weiterbildungsangebot für Lehrkräfte zur Vermittlung der hierzu erforderlichen Kompetenzen ist aufzubauen. Ebenso muss die zur Umsetzung erforderliche technische und finanzielle Ausstattung der Schulen sichergestellt werden.

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5.) Geoinformation zur Förderung der Wirtschaft

Die Märkte für Dienste und Produkte aus Geodaten und Satellitendaten gewinnen weiterhin an wirtschaftlicher Bedeutung.

Die Geoinformationstechnologien inklusive ihrer Komplementär- bzw. Konvergenztechnologien wie Big Data, Cloud-Computing, Internet of things und viele weitere tragen dazu bei, dynamisches wirtschaftliches Wachstum und neue Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen. Die Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen wie auch die Dienstleistungsunternehmen in Deutschland besitzen in vielen Bereichen eine Technologieführerschaft in Europa und darüber hinaus. Diese gilt es zu stärken und auszubauen.

Die Wirtschaft setzt in vielen Prozessen auf Geoinformationen. Sie sind unverzichtbar geworden, z.B. für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb kritischer Infrastrukturen, in Logistikprozessen oder auch in der Landwirtschaft im Bereich des Precision Farming. Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen wie auch der Dienstleistungssektor für die Entwicklung und Bereitstellung von Diensten und Produkten stellen einen großen, hoch innovativen Wirtschaftszweig dar und sind somit ein Motor der Wissensgesellschaft im 21. Jahrhundert.

Beispielhafte Sektoren mit großer Bedeutung von Geoinformationen für die Zukunft

Kritische Infrastrukturen

Die Verkehrs-, Energie-, Ver- und Entsorgungs- sowie Telekommunikationsinfrastrukturen sind die Adern unseres gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft. Geoinformationen bilden hier die wesentliche Grundlage für die Geschäftsprozesse bei der Planung, dem Bau und dem sicheren Betrieb der kritischen Infrastrukturen.

Geoinformationen werden erfolgreich bei der „Smarten Partizipation“ von Bau- und Infrastrukturprojekten eingesetzt und unterstützen die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und können so den Bauprozess erheblich beschleunigen.

Energiewende und Klimaschutz

Copernicus wird auch als „Europas Auge für den Blick auf die Erde“ bezeichnet. Das Europäische Copernicus Programm erzeugt einen der wichtigsten Rohstoffe unserer Zeit: Information. Es liefert Erdbeobachtungsdaten für den Umweltschutz, zur Klimaüberwachung, zur Einschätzung von Naturkatastrophen und für viele andere gesellschaftliche Aufgaben mehr. Im Verbund mit weiteren Geoinformationen bilden diese Daten die Grundlage für konkrete Monitoring-Aufgaben zur Erreichung der Klimaschutzziele wie auch bei der Umsetzung der Energiewende. So z.B. bei der Standortauswahl von Anlagen der erneuerbaren Energien, der Ermittlung von Biomassepotenzialen inkl. der Logistikprozesse zur wirtschaftlichen Verwertung der Biomasse.

Landwirtschaft – im Einklang mit Umwelt- und Naturschutz

Precision Farming – Smart Farming – Farming 4.0 sind moderne Verfahren und Technologien, die in den letzten Jahren die landwirtschaftliche Produktion grundlegend verändert haben. Die Landwirtschaft wird digitalisiert, die Maschinen immer intelligenter. Für eine ergebnisorientierte und ressourcenschonende landwirtschaftliche Produktion sind innovative Lösungen auf Basis von Geoinformationstechnologien von großem Vorteil. Geoinformationen und präzise Navigationslösungen helfen die Ressourcen wirtschaftlich und umweltschonend einzusetzen.

Mobilität und Smart City

Multimodale Verkehrsnutzungen, dynamisch gesteuert, autonome Fortbewegung und autonomer Transport in der Luft, zu Wasser und auf dem Land müssen technologisch bewältigt werden. Insbesondere unterliegen die Nutzungen und der Einsatz derartiger Technologien einer Regulierung. Diese gilt es im Gleichklang mit den erforderlichen technologischen Entwicklungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit zu erarbeiten. Hier bilden Geoinformationen, Satellitendaten aus Copernicus wie auch Galileo für die Navigation verlässliche Grundlagen und Technologien.

Technologieförderung

Mit ihren Förderprogrammen kann die Bundesregierung die Entwicklung neuer Dienste und Technologien zur wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Inwertsetzung von Geoinformationen erheblich unterstützen. Innovations- und Ressortforschungsprogramme, wie der mFund des BMVI oder die IKT Förderung des BMBF fördern die Integration verschiedener Daten- und Informationssysteme. In weiteren Ressortforschungsprogrammen insbesondere des BMEL und des BMU bestehen ebenfalls Potentiale zur Inwertsetzung von Geoinformationen, die durch weitere Fördermaßnahmen aktiviert werden können.

Strukturförderung – Vernetzung der regionalen Wirtschaftsstrukturen

Zur Inwertsetzung der erheblichen Potentiale der Geoinformationen bedarf es weiterer Anstrengungen zur Vernetzung der Akteure der Geoinformationswirtschaft in Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft. Bisherige Netzwerkaktivitäten haben die derzeit immer noch zu beobachtende Fragmentierung und fehlende mangelnde Erschließung der Zielbranchen noch nicht beheben können.

Transfer von FuE in die Wirtschaft zur Förderung der Innovationen

Neben der Technologieförderung muss der Transfer von Wissenschaft zur Wirtschaft mit zielgerichteten Maßnahmen unterstützt werden. Für die Geoinformation kann die Einbeziehung in die Hightech-Strategie der Bundesregierung eine wichtige Säule bilden und die technologische und wirtschaftliche Bedeutung nachhaltig stärken und zukunftsorientiert steigern. Der DDGI steht bereit, um z.B. an einem Konzept für ein Zukunftscluster „Geoinformation“ mitzuwirken.

Migration und Entwicklungszusammenarbeit

Geoinformationstechnologien werden bereits heute an vielen Stellen im Rahmen des Flüchtlingsmanagements und der Entwicklungszusammenarbeit eingesetzt. Eine flächendeckende koordinierte Nutzung von GeoIT, die auch dem aktuellen Stand dieser Technologie gerecht wird, ist derzeit jedoch noch nicht erreicht und sollte entsprechend forciert werden. Die im Deutschen Dachverband für Geoinformation e.V. organisierten deutschen Geoinformationseinrichtungen aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft können einen wichtigen Beitrag zum Flüchtlingsmanagement leisten. Der DDGI wird daher die bereits mit der Erstellung und Veröffentlichung des Positionspapiers „Geoinformation und Flüchtlingsmanagement“ aufgenommene Arbeit fortsetzen und bietet die Unterstützung von Initiativen des Bundes an. Insbesondere die Intensivierung der Nutzung von Geoinformationstechnologien zur Migrationsprävention in den Herkunftsländern bietet sich aus Sicht des DDGI als wichtiges Thema in dieser Legislaturperiode an.

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6.) Geoinformationstechnologien zum Ausbau von Monitoringdiensten nutzen

Geoinformationen sind Grundlage für das flächenhafte Monitoring der Umwelt. Das Management von Naturschutzflächen, Regionalplanung, die Überwachung von Veränderungen der Landschaften und das Management der verschiedenen Nutzungsansprüche an sie wird durch räumliche Analyse mittels Geoinformationstechnologien möglich. Mit dem europäischen Copernicus-Programm sind inzwischen umfangreiche Daten verfügbar, die erstmals ein global flächendeckendes, zeitlich hochauflösendes Monitoring des Ressourcenverbrauchs und der damit verbundenen Umweltentwicklung ermöglichen. Die Entwicklung von Habitaten, die Aufschluss über den Zustand der Biodiversität geben, die Versiegelung und Zerschneidung von Landschaften, die Gesundheit von Wäldern, die Gewässer- und die Luftqualität sowie das Klimamonitoring können mit Copernicus Daten überwacht werden. Mit den heute verfügbaren Daten und Geoinformationstechnologien sind somit wesentliche Voraussetzungen für die nationale Nachhaltigkeitsstrategie gegeben, aber auch für das umweltpolitische Handeln Deutschlands mit seinen Partnern in Europa und der Welt. Auch die Sicherheit in der Welt hängt von einem fairen Umgang mit den global verfügbaren Ressourcen ab. Ernährungssicherheit und Zugang zu sauberem Trinkwasser sind Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben, ebenso kann eine Katastrophenrisikovorsorge dazu beitragen, dass die Auswirkungen von natürlichen Katastrophen wie etwa Dürre oder Überschwemmungen minimiert werden und schnelle Hilfe für die Menschen vor Ort bereitgestellt werden kann.

Das volle Potenzial, das durch das Copernicus Programm für Umwelt und Sicherheit in Verbindung mit modernen Geoinformationstechnologien gegeben ist, ist allerdings nicht im vollen Umfang bekannt und wird noch nicht angemessen in der praktischen Arbeit genutzt.

Der DDGI sieht hier erheblichen Handlungsbedarf, diese Informationen für Anwender zur Verfügung zu stellen, durch entsprechende praxisnahe Schulungsangebote zu ergänzen sowie Entwicklungsprojekte zu fördern, um die Implementierung von Copernicus als Bestandteil moderner Geoinformationstechnologie wirksam zu beschleunigen. Mit seiner Netzwerkarbeit und den im Verband vorhandenen Kompetenzen kann der DDGI hierbei unterstützen.

Veröffentlicht im Oktober 2018
Der Vorstand

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