Copernicus und Geoinformation: Handlungsfelder im Zeichen des digitalen Wandels

Inhaltsverzeichnis

Bildquelle/Titelmotiv: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR)

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I. Vorwort

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“

2019 DLR CopernicusWas schon der griechische Philosoph Heraklit erkannte, gewinnt in unserer modernen Welt eine ungeahnte Aktualität. Grund genug, dass wir unsere Arbeit als Deutscher Dachverband für Geoinformation e. V. (DDGI) im Bereich des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus auf den Prüfstand stellen und neu fokussieren.

Seit dem letzten DDGI-Positionspapier zum Thema „Copernicus und Geoinformationen“ aus dem Jahr 2014 hat sich das europäische Erdbeobachtungsprogramm deutlich weiterentwickelt. Seit 2014 sind die Sentinel-Satelliten sukzessive gestartet und in den operationellen Betrieb genommen worden. Bis heute sind vier von sechs unterschiedlichen Satellitentypen der Sentinel-Familie in Funktion und liefern täglich 15 Terabyte an Daten. Auch die sechs Copernicus-Kerndienste werden mittlerweile routinemäßig durch die verschiedenen europäischen Institutionen für ihre Aufgabenwahrnehmung beauftragt. Damit steht eine Fülle an Daten und Geoinformationen für europäische Umweltmonitoring- und Sicherheitsaufgaben zur Verfügung. Zugleich schreitet die Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft immer schneller voran. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) schreibt in diesem Zusammenhang: „Die Digitalisierung ist in vollem Gange. Sie betrifft uns alle – und sorgt für einen tiefgreifenden Wandel in jedem Lebensbereich.“ […] „Die digitale Transformation eröffnet dabei große Chancen für mehr Lebensqualität, revolutionäre Geschäftsmodelle und effizienteres Wirtschaften.

Als die Interessenvertretung für Geoinformationen verfolgen wir die aktuellen, digitalen Entwicklungen mit großem Interesse, dabei legen wir besonderes Augenmerk auf die Chancen und neuen Herausforderungen, die sich für die Geoinformationsbranche mit dem Copernicus-Programm ergeben. Die digitale Welt von heute schafft die Voraussetzungen dafür, jeden sich im Raum abspielenden Prozess (Naturgefahren, Mobilität, Verfügbarkeit von Energie und anderen Ressourcen, Folgen menschlicher Eingriffe wie Bauten, Infrastruktur oder Industrie) immer detaillierter numerisch zu modellieren und Entscheidungs-relevante Voraussagen zu treffen. Die Europäische Kommission prognostizierte bereits 2014 einen wirtschaftlichen Nutzen von Copernicus von rund 30 Milliarden Euro bis ins Jahr 2030 auszuschöpfen. Hierfür gilt es, die richtigen Impulse zu setzen.

Der DDGI versteht sich dabei als aktiver Ideengeber, der mithilfe seiner weitreichenden Netzwerkarbeit sowie als Dialogpartner zur Weiterentwicklung von Copernicus und zur Integration mit Geoinformationen beitragen möchte. Konkret heißt das für uns, Bedarf und dazugehörige Handlungsfelder zu erkennen, präzise zu formulieren und mit Empfehlungen für praxistaugliche Maßnahmen zu hinterlegen.

Das vorliegende Positionspapier soll als Grundlage für einen solchen Diskurs dienen. Es erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit, was aufgrund der Themendichte im Copernicus-Bereich auch nicht leistbar wäre. Vielmehr sollen drängende Bereiche und Handlungsfelder – von Copernicus-Daten und der Digitalisierung über die Aus- und Weiterbildung bis zu neuen Branchen und Bereichen sowie dem dringend notwendigen Ausbau der Copernicus In-situ-Komponente im europäischen Kontext – thematisiert und beleuchtet werden. Themen, die Fragen aufwerfen, deren Beantwortung wichtig ist und die klare politische Leitplanken benötigen, im Sinne des Copernicus-Programms und der gesamten Geoinformationsbrache.

Dazu braucht es die Anstrengungen aller Beteiligten und ganz besonders auch der Politik, um die richtigen Weichen für das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus in einer sich wandelnden, digitalen Welt zu stellen. Wir als DDGI stehen hierfür ein und fördern einen engen Austausch mit allen politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren.

Von daher freuen wir uns über einen regen Austausch zum neuen Copernicus- Positionspapier: „Copernicus und Geoinformation: Handlungsfelder im Zeichen des digitalen Wandels“

Mit besten Grüßen,
der Vorstand des DDGI

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II. Management Summary

Das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus, gestartet Ende der 1990er-Jahre, hat seit seiner Gründung viele positive Impulse in den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit und Katastrophenmanagement gesetzt und mit Start der operationellen Phase ab 2014 vollkommen neue Möglichkeiten für ein operationelles Monitoring und kontinuierliche Geoinformationsservices geschaffen.

Bis heute liegt der Schwerpunkt der Entwicklungen allerdings im öffentlichen Sektor und auf der europäischen Ebene. Um das Copernicus-Programm langfristig breiter aufzustellen und Mehrwerte sowohl für die Privatwirtschaft als auch für nationale Verwaltungen bis hin zur kommunalen Ebene zu sichern, sind neue Wege, Ideen, und Kooperationen im Gesamtprogramm notwendig. Die Politik muss klare Leitplanken für die digitale Zeit, in Kooperation mit Wirtschaft und Wissenschaft, setzen.

Der DDGI hat vier wichtige Bereiche identifiziert, die aus seiner Sicht maßgeblich für die weitere Entwicklung und breite Inwertsetzung des Copernicus-Programms sind:

Copernicus und die Digitalisierung

  • Infrastruktur- und Breitband- ausbau forcieren

  • Kontinuität des Copernicus-Programms gewährleisten

  • Technisches Angebot verbessern
 

Wissenstransfer:
Aus- und Weiterbildung

  • Wissen über aktuelle Berufsbilder stärken

  • Bereitstellung offener, kostenfreier Lehr- und Lernmaterialien

  • Fortbildungsangebote für Lehrkräfte schaffen
 

Neue Branchen und Akteure

  • Copernicus-Daten- und Dienste- Angebot für weitere Branchen ausbauen und Erfahrungen erfolgreicher Akteure nutzen

  • Wirtschaftliche Anreize für die Privatwirtschaft sicherstellen, um zukünftiges Wachstum zu sichern
 

In-situ-Komponente
und das EU-Vorgehen

  • In-situ- Komponente durch freien Zugriff auf nationale und europäische Datenbestände verfügbar machen

  • Harmonisierung der Prozesse und Methoden innerhalb der EU fördern

Diese Themenfelder sind nach Ansicht des DDGI unmittelbar mit der erfolgreichen Weiterentwicklung des Copernicus-Programms verbunden. Nur ein Ausbau dieser wichtigen Bereiche wird dazu führen, dass Copernicus in breitem Umfang genutzt werden kann. Die Geoinformationsbranche hält hierbei eine Schlüsselfunktion inne. Mit seinem Positionspapier Copernicus beleuchtet der DDGI diese und beschreibt konkrete Maßnahmen für eine breite Inwertsetzung von Copernicus.

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III. Einführung

Copernicus-Daten: vom Rohstoff zum Mehrwert

Das Europäische Copernicus Programm erzeugt den wichtigsten Rohstoff unserer Zeit: Information“ schreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR). Damit dieser Rohstoff verarbeitet werden kann und zu einem klaren Mehrwert in der Anwendung führt, sind vielfältige Anstrengungen notwendig. Daten erzeugen per se noch keinen Mehrwert. Es geht vielmehr darum, die Möglichkeiten der Informationsflut in Zeiten von Big Data zu kanalisieren und zu validen Aussagen für möglichst viele Anwendergruppen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu gelangen. Nur so lässt sich das Potenzial von Copernicus-Daten strategisch und sinnstiftend nutzen. Bis heute liegt der Schwerpunkt der Copernicus-Entwicklung allerdings im öffentlichen Sektor und auf der europäischen Ebene. Um das Copernicus-Programm langfristig breiter aufzustellen und Mehrwerte sowohl für die Privatwirtschaft als auch für nationale Verwaltungen bis hin zur kommunalen Ebene zu sichern, sind neue Wege, Ideen, und Kooperationen notwendig.

Wichtig für die politischen Entscheidungsträger ist in diesem Zusammenhang, zu verstehen, dass die Geoinformationsbranche für Copernicus ein interdisziplinärer Schlüssel zu einer Vielzahl von Zielanwendungen ist und darum positiv zum weiteren wirtschaftlichen Wachstum von Copernicus beitragen kann. Vor dem Hintergrund, dass Geoinformationen die „Grundlage für etwa 80% aller Entscheidungen im privaten und wirtschaftlichen Leben“ darstellen ist die Branche von grundlegender Bedeutung „für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines modernen Staates“, wie es der IT-Planungsrat auf den Punkt bringt. Um das Copernicus- Programm im Verbund mit der Geoinformationsbranche umfassend in Wert setzen zu können, hat der DDGI vier wichtige Bereiche und Handlungsfelder identifiziert, die in diesem Positionspapier beleuchtet werden:

  • Copernicus und die Digitalisierung
  • Wissenstransfer: Aus- und Weiterbildung
  • Neue Branchen und Akteure
  • In-situ-Komponente und das EU-Vorgehen

Diese Bereiche sind nach Ansicht des DDGI unmittelbar mit einer erfolgreichen Weiterentwicklung des Copernicus-Programms verknüpft. Nur wenn diese Handlungsfelder ausgebaut und in eine umfassende Strategie eingebunden werden, wird sich aus Sicht des DDGI das Copernicus-Programm auch mittel- bis langfristig als erfolgreich für die Politik sowie die Wirtschaft und Wissenschaft erweisen.

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V. Bedarf im Wandel der Zeit

Als 1998 das Copernicus-Programm als ein Gemeinschaftsprojekt der Europäischen Kommission und der Europäischen Weltraumorganisation ESA gestartet wurde, waren die Ziele mit dem Sammeln, Aufbereiten und Auswerten von Fernerkundungsdaten der Erde klar umrissen. Unter dem ehemaligen Programmnamen „Global Monitoring for Environment and Security“ sollten Services für europäische Politiken entwickelt werden, die ganz konkret an deren Bedarfen ausgerichtet sind und dazu auf routinemäßig erhobene, globale Erdbeobachtungsdaten aufsetzen können sollten. Damit galt das „zweite Flaggschiff-Programm“ der EU ebenso wie Galileo auch als Hoffnungsträger für mehr Wachstum in der europäischen Geoinformationsindustrie. 20 Jahre später haben sich die Zeiten im Zeichen der Digitalisierung verändert. Die Anforderungen von Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Sektor sind gestiegen, hinsichtlich Verfügbarkeit und Möglichkeiten der Verarbeitung von (Geo-) Daten. Mit seinen umfangreichen Datenmengen, die das Copernicus-Programm erzeugt, ist es selbst zum Treiber für die zunehmende Digitalisierung und Cloud-basierte-Datenprozessierung geworden.

Die Digitalisierung verändert die Anforderungen an Copernicus

Es gilt darum in einer globalen, digitalisierten und vernetzten Welt Maßnahmen zur Implementierung neu zu justieren, um die Investitionen von mehreren Milliarden Euro für Satelliten und Dienste nachhaltig in Wert setzen und das erhoffte wirtschaftliche Wachstum in Europa realisieren zu können.

1. Von Copernicus und der Digitalisierung

Das „Weißbuch Digitale Plattformen“ kommt in seinem Vorwort zu der Erkenntnis, dass der Digitalisierungsprozess nach Angaben der Europäischen Kommission in einem digitalen „Binnenmarkt 415 Milliarden Euro jährlich zur Wirtschaftsleistung der Europäischen Union beitragen“ könnte. Der Digitalverband Bitkom beziffert das Marktpotenzial im BigData Umfeld für Deutschland mit rund 6,4 Milliarden Euro für das Jahr 2018. Immense Zahlen, die das große Potenzial der Digitalisierung für Deutschland und Europa verdeutlichen. Die Bundesregierung spricht in ihrem Koalitionsvertrag von den „richtigen Rahmenbedingungen“, die es zu schaffen gilt. So schreibt die Koalition in ihrem gemeinsamen Papier beim Punkt Digitalisierung: „Angesichts der Dynamik der Veränderung müssen wir große Schritte wagen, um an die Spitze zu kommen. Wir wollen unser Land in allen Bereichen zu einem starken Digitalland entwickeln.“ Ein erklärtes Ziel ist „eine flächendeckende digitale Infrastruktur von Weltklasse“.

Aktuell bremst allerdings ein lückenhafter Breitbandausbau immer noch den Fortschritt des digitalen Wandels. So kommt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln in einer Studie aus dem Jahr 2017 zu dem Schluss: „Die geringe Verbreitung von Glasfaseranschlüssen in Deutschland kann in absehbarer Zeit zu einem erheblichen Standortnachteil für die hiesige Wirtschaft werden. Ende 2015 verfügten lediglich 59 Prozent der Unternehmen über Breitbandanschlüsse mit mindestens 50 Mbit/s; in ländlichen Regionen waren es sogar nur 29 Prozent.“ Das hemmt den Innovationsausbau und das Wirtschaftswachstum.

Lückenhafter Breitbandausbau hemmt die digitale Infrastruktur

Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet vor: „Auch die Leistungsfähigkeit der Breitbandnetze korreliert positiv und statistisch hochsignifikant mit dem Wirtschaftswachstum: Im Durchschnitt der betrachteten Länder geht eine Erhöhung der Durchschnittsgeschwindigkeit um 1 Prozent mit einer Steigerung des BIP von 0,07 Prozent einher.

Die zunehmende Vernetzung mit einem enormen Datenwachstum macht ein Umdenken von Seiten der politisch Verantwortlichen unerlässlich. Experten schätzen die „weltweit generierte Datenmenge auf insgesamt 163 Zettabyte (ZB) bis 2025“. Hinzu kommt die Schätzung, dass bis dahin „ein Viertel der erzeugten Daten aus Echtzeit-Daten bestehen“. Und auch im Copernicus-Umfeld ist von einem enormen Datenanstieg und Austausch auszugehen. „Bereits heute werden täglich über 15 Terabyte (TB) an Sentinel-Daten aufgenommen und über 150 TB an Nutzer täglich ausgeliefert. Mit dem weiteren Ausbau der Copernicus Sentinel-Familie werden diese enormen Datenmengen noch weiter steigen. Das Datenmanagement muss mit diesen Entwicklungen Schritt halten, damit Copernicus-Daten effizient verarbeitet, analysiert und verteilt werden und in Entscheidungsgrundlagen einfließen können. Ein schneller und flächendeckender Breitbandausbau ist nach Ansicht des DDGI eine zentrale Grundvoraussetzung für die digitale Entwicklung Deutschlands und damit auch Grundlage für eine erfolgreiche Nutzung von Copernicus.

Neben der schnellen Datenbereitstellung müssen auch Überlegungen stärker in den Fokus rücken, die sich mit der Bereitstellung von Massendaten und dem Verarbeiten großer Datenmengen, technisch und methodisch, auseinandersetzen. Die Europäische Kommission hat dazu bereits Anstrengungen unternommen und mit den fünf Data Information and Access Services (DIAS) Plattformen eine Infrastruktur geschaffen, über die die Daten sowohl für Recherche und Download zugreifbar sind als auch mit eigenen Algorithmen prozessiert werden können. Auch national wurde mit CODE-DE eine wichtige Plattform geschaffen, über die gerade behördlichen Nutzern der Zugriff auf Daten und Prozessierungskapazitäten vereinfacht wird. Dabei zeigt sich allerdings, dass die operationelle Implementierung von Prozessierungsdiensten, die auf verschiedene Datenquellen zugreifen, weiterhin eine Herausforderung darstellen. Es ist darum wichtig, durch gezielte Forschungs- und Entwicklungsprogramme Wissenschaft und Wirtschaft dabei zu unterstützen, innovative Verfahren der Datenverarbeitung und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Deep Learning Verfahren für eine schnelle Bewältigung global verfügbarer und hochkomplexer Daten sowie die Automatisierung von Prozessierungsketten für innovative Dienste sind wichtige Aufgaben für die Implementierung von Copernicus in der digitalen Wirtschaft. Förderprogramme müssen diese Themen aufgreifen, damit deutsche Anbieter in die Lage versetzt werden, international wettbewerbsfähige Angebote erstellen zu können und sich auf dem hart umkämpften Markt für europäische Copernicus-Services an der Spitze positionieren zu können.

Bei aller Innovation bleibt aber auch die Kontinuität des Copernicus-Datenangebots wichtige Voraussetzung für privatwirtschaftliches Engagement. Langfristige Planbarkeit hinsichtlich Datenverfügbarkeit und Geschäftsfeldern erhöhen die Investitionsbereitschaft von Unternehmen. Diese ist für einen breiten Einsatz neuer Technologien höchst relevant. Die Fortschreibung der Sentinel-Satelliteninfrastruktur ist deshalb von zentraler Bedeutung. Zugleich gilt es, das Angebot technisch weiter zu verbessern. Neben der Datenverfügbarkeit für direkten Download und Cloud-Prozessierung, gehört dazu auch die Ergänzung der Satellitensensorik um wichtige Bereiche, wie insbesondere der Hyperspektral- und Thermalsensorik, die aus Sicht der Geoinformationsbranche besonders vielversprechend für den Ausbau von Copernicus-basierten Services sind, z.B. für Precision Farming Services, Dienste für Gewässermanagement oder auch Exploration von Rohstoffen.

Auch die Datenplattformangebote müssen mit der Digitalisierung Schritt halten können. Mit den DIAS Plattformen sowie der nationalen CODE-DE Plattform ist ein erster wichtiger Schritt erfolgt. Wichtig ist, dass die BigData-Fähigkeit durch die Harmonisierung der verschiedenen Daten und Berücksichtigung sowie Weiterentwicklung von IT-Standards, erhalten und weiter ausgebaut wird.

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2. Aus- und Weiterbildung: Wissenstransfer für die Zukunft

Mit der wachsenden Digitalisierung geht gleichzeitig ein dringender und umfassender Bedarf an Aus- und Weiterbildung einher, von dem auch die Geoinformationsbranche betroffen ist. Nur mithilfe eines modernen Wissenstransfers können die kommenden Aufgaben bewältigt werden. Die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP und Die Linke haben daher im August 2018 eine Enquete-Kommission

„Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“

beschlossen.

Ziel der Kommission soll es sein, eine klare Strategie für die Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu formulieren, die auch die Stärkung der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung in einem Zeitalter des digitalen Wandels von Berufsbildern und Erwerbsbiografien herausstellt.

Diese Initiativen sind aus Sicht des DDGI zu begrüßen. Für das Copernicus- Programm und die Geoinformationsbranche sowie deren Bedürfnisse ist dieser Wissenstransfer für die Zukunft wichtig, da der Geoinformationsmarkt bereits heute unter einem erheblichen Fachkräftemangel leidet. Der aktuell von Wirtschaft und Verwaltungen gemeldete Bedarf an Fachkräften im Bereich Geoinformatik / Geoinformation wächst rasant. So prognostiziert der IT-Beauftragte der Bundesregierung für die Geodatenbranche ein Wachstum von rund 5000 neuer Stellen pro Jahr (Berliner Morgenpost, 13.05.2018). Ein Bedarf, der seitens der einschlägigen Ausbildungsinstitutionen (duale Ausbildung in Wirtschaft und Verwaltung, Fachhochschulen, Universitäten) bei weitem nicht gedeckt werden kann. Gründe sind u.a. zu geringe Studierenden- und damit Absolventenzahlen und ein nur geringes öffentliches Bewusstsein bzgl. Berufsbild und Karrierechancen.

Kompetenzen zur Nutzung digitaler Geoinformationen sind ein Schlüssel zum Erfolg von Copernicus

Diese Situation ist umso gravierender, als dass Geoinformation und damit einhergehend die Fähigkeit raumbezogene Sachverhalte und Fragestellungen zu verstehen, zu kommunizieren und zu bearbeiten eine wesentliche Grundlage für die Digitalisierung darstellen. Mit Fokus auf Copernicus sowie die Nutzung und Entwicklung von Geoinformationsprodukten bestehen vielfältige komplexe Anforderungen, die es von Mitarbeitern zu erfüllen gilt. Die Auswirkungen fehlender fachlicher Kompetenzen bei Nachwuchskräften auf Wirtschaftsentwicklung und Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben sind unmittelbar.

Der DDGI fordert daher, Aus- und Weiterbildungsangebote im Bereich Geoinformatik / Geoinformation zu fördern und in der Gesellschaft breit zu kommunizieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine enge Abstimmung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, um den Bedarf zu ermitteln und gemeinsam mit der Politik in konkrete Förderprogramme zu überführen. Die Politik muss zudem klare Leitlinien für eine Gesamtstrategie zur Aus- und Weiterbildung im Geoinformationsbereich setzen. Bezeichnend ist beispielsweise, dass im „Geo-Fortschrittsbericht der Bundesregierung“ vom Juni 2017 eine Maßnahmenliste mit 46 Punkten aufgeführt ist, das wichtige Thema der Aus- und Weiterbildung im Geoinformationsumfeld wird allerdings gänzlich ausgespart. Damit vergeben die politisch Verantwortlichen die große Chance einer flächendeckenden Initialzündung im Lern- und Berufsbildungsumfeld.

Für eine erfolgreiche Umsetzung und marktwirtschaftliches Wachstum im Bereich von Copernicus, muss die Entwicklung von Kompetenzen zur Nutzung von Geoinformation und Geoinformationstechnologien inklusive Copernicus nicht nur fester Bestandteil schulischer Curricula, sondern auch des schulischen Alltags werden.

Schulbuchverlage und Technologieanbieter der Geoinformationsbranche bieten schon heute geeignete, für den Schuleinsatz aufbereitete Inhalte an. Und auch die öffentliche Hand stellt über ihre zahlreichen (Geo-) Portale digitale Geoinformation zur Verfügung, die tagesaktuellen Unterricht ermöglichen. Jedoch finden diese Angebote nur sehr zögerlich Einzug in die bundesdeutschen Klassenzimmer. Dabei lassen sich durch den Umgang mit Geoinfomationssystemen (GIS) elementare

Daten- und Analysekompetenzen für eine digitale Zukunft erwerben. Auch kann Raumbezug und digitale Information das verbindende Glied für eine fächerübergreifende Vermittlung verschiedenster Lehrinhalte sein und damit die Unterrichtseffizienz steigern.

Der DDGI empfiehlt deshalb, den Einsatz digitaler Geoinformation und insbesondere von Copernicus im Unterricht zu fördern, indem Kompetenzen zur Nutzung, d.h. Recherche, Erfassung, Analyse und Aufbereitung digitaler Geoinformationen in den Curricula verankert werden.

Darüber hinaus müssen auf den Lehrplan abgestimmte Lehr- und Lernmaterialien sowie Projektkonzepte offen, kostenfrei und vorkonfektioniert bereitgestellt werden, um die Aufnahme dieser neuen Lehrinhalte und Methoden zu erleichtern und Lehrer in ihrer Arbeit maximal zu unterstützen. Mit der Durchführung von Wettbewerben, Projektwochen und Veranstaltungen wie Hackathons, die Schülerinnen und Schülern ebenso wie Lehrerinnen und Lehrern Gelegenheit geben, sich zu vernetzen und sich der Thematik zu nähern, wird eine schnelle Aufnahme von Copernicus und digitaler Geoinformationstechnologien als selbstverständlicher Bestandteil der schulischen Ausbildung befördert.

Zu einem nachhaltigen Ausbildungskonzept gehört zudem, dass entsprechende Lehrinhalte Bestandteil eines flächendeckenden Lehrerfortbildungsangebots werden. Auch wenn die Ausbildung von Erdkundelehrerinnen und -lehrern heute i.d.R. die Vermittlung von GIS- oder gar Geoinformatikgrundlagen vorsieht, verfügen Lehrkräfte derzeit nur selten über ausreichende methodische und technische Kompetenzen zur Nutzung von Geoinformation und Geoinformationstechnologien in Ihrem jeweiligen Fachunterricht. Die Fortbildungsdatenbanken der Länder bieten nur wenige bis gar keine Veranstaltungen zum Thema Geoinformation an. Die wenigen Angebote konzentrieren sich auf GIS-Einführungen und sind nur durch sehr spezifische Recherche auffindbar.

Mit der Idee einer Copernicus Academy geht die Europäische Kommission in die richtige Richtung, um europäische Universitäten, Forschungsinstitute, Business Schulen sowie private und Non-Profit-Organisationen besser zu vernetzen und so Wissen und Austausch zu diesen neuen technischen Möglichkeiten zu stärken. Das Ziel ist die Netzwerkbildung rund um die Entwicklung von Schulungen, Vorlesungen und Praktika, um die nächste Generation an Forschern, Wissenschaftlern und Unternehmern auszubilden, damit diese zukünftige Copernicus Daten- und Informationsdienste optimal nutzen können. Damit haben die Ideengeber zur Copernicus Academy erkannt, dass der Weg über einen vernetzten und grenzüberschreitenden Wissenstransfer gehen muss. Ein wichtiger Baustein, um mit Bezug zu Copernicus neue Lern- und Arbeitsmethoden zu etablieren.

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3. Die DDGI-Forderungen auf einen Blick

  • Der flächendeckende und qualitativ hochwertige Ausbau digitaler Infrastrukturen muss oberste Priorität haben. Denn moderne Datenvernetzungs- und Verarbeitungsprozesse sind auf solide und performante IT-Infrastrukturen angewiesen.Die Forschungsförderung für neue Lösungen wird zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor für zukünftige Copernicus-Anwendungen – gerade mit Blick auf die weiter steigenden Datenmengen im Big-Data-Zeitalter.

  • Die Kontinuität des Copernicus-Programms sowie die schnelle Verfügbarkeit von Daten und Diensten sind eine Grundvoraussetzung für die weitere Entwicklung von Copernicus.

  • Das zentrale Thema der Aus- und Weiterbildung im Geoinformationsumfeld gehört oben auf die Prioritätenliste der Politik. Aktuelle Lernmaterialien sowie eine flächendeckende Lehrerfortbildung sind dafür wichtige Elemente.

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V. Neue Branchen und Akteure

Ein Gesamtblick auf Copernicus zeichnet vielfach ein erfolgreiches Bild. Informationen zur europaweiten Landüberwachung, für den Katastrophenschutz, Sicherheitsanwendungen und zur Überwachung des Klimawandels werden heute systematisch operationell erstellt und verfügbar gemacht. Damit hat das Copernicus-Programm heute das Ziel erreicht, welches 1998 bei seinem Start formuliert wurde: als „Wächter im Weltraum für Veränderungen auf der Erde“ ein „weitreichendes Programm zur Sammlung, Aufbereitung und gezielten Auswertung von Fernerkundungsdaten der Erde (…)“ zu sein. Für zahlreiche hoheitliche Institutionen sowohl der EU als auch der Nationalstaaten und Länder, bieten diese Copernicus basierten Auswertungen und Dienste wertvolle Informationsgrundlagen für ihre Aufgabenwahrnehmung. Allerdings ist der anfängliche Fokus auf die staatlichen Stellen auch heute noch erkennbar, Copernicus hat die Behörden erreicht, für viele Wirtschaftsbranchen ist dies aber noch nicht der Fall.

Copernicus heißt noch immer primär öffentlicher Sektor

1. Copernicus in anderen Branchen verankern

Eine Copernicus-Studie vom Juni 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass „im Zeitraum von 2017 bis 2035“ Copernicus „voraussichtlich 67 bis 131 Milliarden Euro an Leistungen für die europäische Gesellschaft erwirtschaften“ wird. Das entspricht „dem 10- bis 20-fachen der Kosten des Programms“. Dabei besteht seit den Anfängen des Copernicus-Programms das Ziel, weitere Marktpotenziale für sogenannte Downstream Services zu erschließen. Um die Durchdringung in weitere Branchen erfolgreich zu realisieren, und Deutschland wettbewerbsfähig zu machen, sind weitere Maßnahmen erforderlich.

Auch wenn Copernicus seit dem Start der Sentinels immer häufiger von den Medien als Thema aufgegriffen wird, muss dennoch der Bekanntheitsgrad des Programms in Anwenderbranchen weiter erhöht werden. So bedarf es praxisrelevanter Beispiele und deren Kommunikation nach außen, um weitere Nutzer abzuholen und zu informieren. Ein effektiver Wissenstransfer und Einbindung weiterer Anwenderbranchen passiert nur durch gemeinsame Entwicklung neuer Lösungen. Dabei können Anbieter, die bereits erfolgreich Copernicus Services am Markt anbieten, als Erfahrungsgeber helfen. Im Verbund von Entwicklern und Anwendern lassen sich neue Nutzungsmodelle für Copernicus- Dienste entwickeln, in Pilotprojekten auf ihre Praxistauglichkeit prüfen und letztendlich für weitere Branchen zur Verfügung stellen. Als Beispiel benannte der DDGI bereits 2014 die Möglichkeit von überzeugenden und erlebbaren Leit- und Schlüsselprojekten. Mit einem „digitalen Showroom“, der den Nutzern nachhaltige Copernicus-Anwendungen vermittelt, können solche Projekte dann auch als Referenzen für weitergehende Implementierungen dienen. Nach Auffassung des DDGI geht es hierbei nicht um wissenschaftliche Einzelprojekte, sondern um kontinuierliche Nutzungs- und Informationsprozesse – ganzheitlich und praxisnah.

Ziel sollte es deshalb sein, die bestehenden Anreize für die Privatwirtschaft weiter auszubauen und so eine innovative sowie nutzerorientierte Serviceindustrie zu stärken. Geoinformations-Dienstleister und ihre Netzwerke können hier als Multiplikatoren zu weiteren Kundenkreisen wirken.

Es braucht mehr Anreize für die Privatwirtschaft

Berufs- und Fachverbände können ebenfalls dazu beitragen, den wichtigen Dialog mit anderen Branchen voranzutreiben und anhand bestehender Best practice Beispiele neue Anwender für Copernicus zu gewinnen. Diesen Dialog möchte der DDGI, als Dachverband der Geoinformationsbranche mit seinen weitreichenden Verbindungen in verschiedenste Branchen vorantreiben, um mit einer umfassenden Netzwerkarbeit eine optimale Hebelwirkung für Copernicus in andere Wirtschaftsbereiche zu realisieren.

Neben den verschiedenen Wirtschaftsbranchen sind es aber auch regionale und lokale Anwendungspotenziale, die bislang noch weit unterrepräsentiert sind unter den aktuellen operationellen Copernicus-Anwendungsfällen. Auch hier bietet die Geoinformationsbranche ein hervorragendes Netzwerk an, da in heutiger Zeit räumliches Planen und Handeln auf Basis moderner Geoinformationstechnologien realisiert werden. Der DDGI spricht sich deshalb dafür aus, mit Leuchtturmprojekten die nötigen Anreize zu schaffen, damit regionale und lokale Akteure Copernicus basierte individuelle Lösungen für ihre Aufgaben erarbeiten können. Insbesondere Unternehmen aus dem Geoinformationsumfeld können hier als Multiplikator fungieren, da sie mit Anforderungen und Besonderheiten dieser Akteure bezüglich des Umgangs und der Verarbeitung ihrer Geodaten vertraut sind.

2. Copernicus-Datenangebot erweitern und neue digitale Akteure gewinnen

Mit den Sentinel-Satelliten ist eine äußerst leistungsfähige Infrastruktur zur Erdbeobachtung aus dem All realisiert worden. Von Anfang an gehörte zum Datenkonzept von Copernicus aber auch das Angebot privatwirtschaftlich finanzierter Erdbeobachtungssysteme, die als sogenannte „Contributing Missions“ ins Datenportfolio aufgenommen wurden. Gerade im Bereich sehr hochauflösender optischer Daten sind kommerzielle Systeme bereits lange etabliert. In den letzten Jahren tauchen darüber hinaus immer weitere kommerzielle Anbieter von Erdbeobachtungsdaten auf. Auch große Digitalkonzerne arbeiten mittlerweile an eigenen Programmen und Lösungen, um das Potenzial von Erdbeobachtungssystemen stärker für eigene Geschäftsfelder zu nutzen. Die Strategie dieser Digitalkonzerne im Erdbeobachtungs- und Geoinformationsumfeld liegt auf der Hand, nämlich massentaugliche Systeme und Dienstleistungen für die freie Wirtschaft aufzubauen und zu vermarkten. Dabei deckt ihr Datenangebot Lücken ab, die mit öffentlichen Systemen nicht adressiert werden oder sind weitaus flexibler, wenn es z.B. darum geht, Aufnahmen zu machen von Gebieten, die aus unterschiedlichen Gründen, sei es militärisch oder mit Blick auf die geländespezifischen Eigenschaften, unzugänglich sind.

Um gerade auch gegenüber dem nordamerikanischen Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es daher wichtig, dass Copernicus die kommerziellen Datenangebote einbindet und die Nutzung privat investierter Satelliteninfrastrukturen speziell für hoch- und höchstauflösende Bilddaten gefördert werden, um damit den kommerziellen Markt zu stimulieren. Es bietet sich bei vielen Anwendungen ein 2-Stufen-Modell an, indem Sentinel-Daten herangezogen werden, um einen Überblick zu erstellen mit Hinweisen auf Hot Spots bzw. veränderte Bereiche und höher auflösende Systeme genutzt werden, um im Detail die Charakteristika oder Änderungen in diesen Gebieten zu identifizieren. Gerade für die Aktualisierung von Geodatenbeständen können so erhebliche Effizienzsteigerungen durch Fokussierung und Automatisierung erzielt werden wie Erfahrungen aus den USA zeigen.

Privatwirtschaftliche Datenangebote in Copernicus einbinden

Im Digitalen Zeitalter treten zudem Anbieter von Plattformservices immer stärker in den Vordergrund. Gerade Großunternehmen wie Google, Amazon oder Facebook bringen die technologischen Entwicklungen mit ihren hohen Investitionen äußerst dynamisch voran, zugleich birgt sich darin aber auch die Gefahr technologischer Abhängigkeit für europäische Unternehmen. In Zeiten von Big Data, neuen Analysemethoden, Algorithmen und künstlicher Intelligenz ist allerdings Offenheit und Zugänglichkeit bei der Vernetzung und dem Gebrauch von Daten und Diensten (unter Wahrung des Datenschutzes und der Privatsphäre) ein wichtiger Treiber ganzer Branchen. Das Banken- und Versicherungsumfeld, die Logistik, der Handel, die Immobilienwirtschaft sowie die Automobilindustrie oder der Gesundheitsbereich richten ihre Geschäftsprozesse auf diesen Digitalisierungstrend hin aus. Für diesen bietet gerade auch die per se digitale Erdbeobachtung wertvolle Daten. Es kommt deshalb darauf an, besondere europäische Stärken zu mobilisieren und zu stärken. Der DDGI setzt sich deshalb dafür ein, dass europäische Unternehmen im technologischen Wettbewerb mit Maßnahmen der Innovationsförderung und Vernetzung gestärkt werden.

Copernicus und die „digitale Disruption“

Zugleich müssen die Randbedingungen für die Datenangebote so definiert sein, dass bei öffentlich finanzierten Copernicus-Plattformangeboten keine sogenannten „locked in“-Situationen entstehen, mit denen Abhängigkeiten und Know-how-Verlust eintreten können. Hier ist ein einheitliches Vorgehen der Kommission und europäischen Mitgliedsländern wichtig, um die Innovationskraft europäischer Unternehmen zu stärken und durch einen geeigneten Rechtsrahmen sicherzustellen, dass diese mit eigenen technologischen Lösungen international wettbewerbsfähige Angebote bieten und sich langfristig gegenüber Konkurrenzunternehmen etablieren können.

3. Die DDGI-Forderungen auf einen Blick

  • Die breitere Nutzung der Privatwirtschaft muss bei Copernicus-Diensten und -Daten stärker in den Fokus rücken. Denn weitere Nutzergruppen sind unerlässlich, möchte das europäisch verankerte Copernicus-Programm langfristig auf tragfähigen Beinen stehen.

  • Das Potenzial und die Alleinstellungsmerkmale satellitengestützter Erdbeobachtungen, wie z.B. die großflächig zu erzielende einheitliche Datenqualität gilt es auch mit Blick auf neue digitale Akteure herauszustellen und zu fördern.

  • In Zeiten von Big Data, neuen Analysemethoden wie z.B. der künstlichen Intelligenz sind Innovationsförderungen wichtig, um Anbieter im internationalen Wettbewerb zu stärken.

  • Branchenübergreifende Mehrwertdienste sollten gefördert werden in Form von überzeugenden Leuchtturmprojekten auf Gebieten, in denen europäische Akteure ihre Stärken im globalen Wettbewerb ausspielen können.

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VI. “In situ”-Daten und europaweites Vorgehen

Neben den von Copernicus aus dem Weltraum gewonnen Informationen kommt den sogenannten „In-situ“-Daten eine Schlüsselrolle zu. Dies sind Daten, die „von meteorologischen Sensoren, Wetterballonen, Seebojen und Flusspegelsonden, oder von Befliegungen mit Fernerkundungsinstrumenten“ stammen sowie aus „topografischen Karten, Höhenmodellen, Orthofoto-Mosaiken, Schutzgebietskatastern, Straßennetzdaten sowie thematischen Karten (Wald, Siedlungsstruktur, Gewässernetz etc.) und statistische Karten (Bevölkerungsverteilung etc.)“ entnommen werden.

Sie sind der Schlüssel zur Transformation von Copernicus Daten in entscheidungsrelevante Informationen. Einen Mehrwert können diese Daten nur bieten, wenn sie strukturiert verarbeitet und für privatwirtschaftliche Zwecke zugänglich gemacht werden. Die dafür notwenige Infrastruktur gilt es grenzüberschreitend aufzubauen. Das bedeutet, eine europaweite Vernetzung und Harmonisierung herzustellen. Dies ist eine wichtige Basis, will man In-situ-Daten optimal einsetzen und das System zukunftsweisend ausbauen. „Voraussetzung dafür, dass diese In-situ-Daten gewinnbringend in die Copernicus Dienste integriert werden können, ist u. a. die Schaffung von entsprechenden technischen Schnittstellen und den dazu notwendigen Vereinbarungen.“ Verbunden mit diesem Grußwort zum „Nationalen Forum für Fernerkundung und Copernicus 2014“ war der Wunsch, dank der INSPIRE Richtlinie „eine Bund, Länder und Kommunen übergreifende Geodateninfrastruktur zu schaffen. Diese Geodateninfrastruktur wird zukünftig die zentrale Grundlage der Anbindung der In-situ-Daten an den europäischen Dienst darstellen. Dazu muss gewährleistet werden, dass alle notwendigen Daten bereitgestellt werden.

In diesem Zuge soll die „Copernicus-In-situ-Komponente“ Zugang zu In-situ-Daten bieten. Dafür ist die Koordinierung und Harmonisierung mit Bezug auf das Erheben und Bereitstellen der In-situ-Daten auf zentralen Plattformen sowie die „Interoperabilität unterschiedlicher Datensätze einschließlich der INSPIRE- Kompatibilität“ eine Grundvoraussetzung für die weitere Nutzung. Neben der Verknüpfung der unterschiedlichen Plattformen – vom INSPIRE-Geoportal über das Copernicus-Portal bis auf Bundes- und Länderebene sowie mit Datenplattformen der Privatwirtschaft ist es nach Ansicht des DDGI ebenfalls von zentraler Bedeutung, eine nutzerfreundliche Zugänglichkeit für In-Situ-Daten zusammen mit den Copernicus-Daten zu schaffen, so dass beide Datenarten einfach heruntergeladen bzw. in Kombination prozessiert werden können. Nur so können Unternehmen zielgerichtet mit den Daten arbeiten, einen Mehrwert aus den Informationen gewinnen oder erarbeiten und den privatwirtschaftlichen Sektor stärker ankurbeln.

Eine konsequente Umsetzung der Open-Data Politik von Copernicus muss einen freien Zugang zu sämtlichen In-Situ-Daten mit Relevanz für das europäische Copernicus-Programm für alle Anwender innerhalb der EU beinhalten. Aktuell ist die kostenlose (privatwirtschaftliche) Nutzung von Daten, die über die ursprünglichen sechs Copernicus-Kerndienste hinausgehen, nicht geregelt. Das Ziel muss es deshalb sein, eine offene Lizenzpolitik für In-Situ-Daten durch gezielte Anreize zur Dateneinbindung zu fördern. Nur mit einer EU-weiten und offenen Datennutzungspolitik kann ein Mehrwert von Copernicus-Daten und -Diensten für Unternehmen entstehen.

1. Nationales Hoheitsdenken, statt europäisches Handeln

Kritiker bemängeln indes, dass die In-situ-Komponente im Rahmen des Copernicus- Programms noch sehr „stiefmütterlich“ behandelt wird. Während beispielsweise die Copernicus Data and Exploitation Plattform – Deutschland (CODE-DE) eine kollaborative Plattform und damit einen Zugang zu den Daten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms ermöglicht, fehlt eine solche auf europäischer Ebene für In- situ-Daten.

In-situ-Daten für Copernicus verfügbar machen

Vielmehr wird national auf bereits existierende In-situ-Datennetze und -Programme zurückgegriffen. Diese Tatsache macht deutlich, dass aktuell von einer operationellen Nutzung im europäischen Maßstab keine Rede sein kann. Ein Problem besteht in den unterschiedlichen Messnetzen und Auswertungsmethoden der einzelnen EU- Staaten. Diese lassen sich „kaum harmonisieren und zu einer gemeinsamen Datengrundlage zusammenführen (…)“. Dies liegt unter anderem daran, dass die Hoheit über die Verwendung der In-situ-Daten bei den Nationalstaaten liegt.

Um an dieser wichtigen Nahtstelle von nationalen Interessen hin zu einem konsolidierten EU-Vorgehen zu kommen, sind weitere Anstrengungen notwendig. Mit anderen Worten: Die Politik ist in diesem Bereich gefordert, die europäischen Rahmenbedingungen in Gänze zu verbessern und notwenige Harmonisierungen von In-situ-Daten und -Prozessen anzustoßen. Der DDGI sieht hier einen erheblichen Handlungsbedarf. Denn Einzelmaßnahmen weichen den Grundgedanken einer europaweiten Datennutzung auf – gerade mit einem Fokus auf offene Märkte.

Somit steht die nationalstaatliche In-situ-Politik innerhalb der EU dem Gemeinschaftsgedanken des freien Waren-, Dienstleistungs- und Ideenaustauschs entgegen. Dies gilt es zu überwinden und eine einheitliche und plattformübergreifende Datenverwertung im In-situ-Bereich auf- und auszubauen.

Wichtig ist hierbei, dass die offene Copernicus-Datenpolitik auch stärker auf den In-situ-Bereich ausstrahlt – europaweit, mit der umfassenden Harmonisierung von Daten und Programmen sowie der notwendigen Lizenzpolitik.

Wünschenswert wäre es, einen stärkeren Fokus auf die fehlende nationale und europäische Verfügbarkeit der In situ-Daten zu legen sowie diese Lücken zu schließen. Mit DIAS existiert zwar eine europäische Plattform. In diese sind die europäischen In-situ-Daten aber so zu integrieren, dass sie problemlos mit den Copernicus-Daten verarbeitet werden können.

 2. Die DDGI-Forderungen auf einen Blick

  • Die Harmonisierung von In-situ-Daten und -Diensten gilt es innerhalb der EU voranzutreiben, gerade um einen flächendeckenden Nutzen im Sinne des Copernicus-Programms zu erzielen. Hierzu sind länderübergreifende Standards notwendig – unter anderem bei Messnetzen und Auswertungsmethoden.

  • Die gemäß der INSPIRE-Richtlinie geplante Überführung von In-situ-Daten in eine gemeinsame europäische Geodateninfrastruktur muss schneller und mit einem klaren Zeitplan erfolgen.

  • Die Einbindung von In-situ-Daten in die vorhandenen Plattformen (DIAS, CODE-DE) muss auf der Copernicus-Agenda oben stehen. Nur mit zentralen und einfachen Datenzugriffen lassen sich Nutzer überzeugen und die Informationen vermehrt in neue Anwendungsfelder überführen.

  • Die In-situ-Politik innerhalb der EU kann nur auf einem Gemeinschaftsgedanken des freien Waren-, Dienstleistungs- und Ideenaustauschs aufbauen. Dies gilt es für die politisch Verantwortlichen im europäischen Kontext stärker in den Fokus zu rücken.

  • Der wirtschaftliche Nutzen von In situ-Daten kann sich nur mit einer offenen und breit angelegten europäischen Gesamtstrategie entfalten. Dies bedarf massiver Anstrengungen vonseiten der Politik im Verbund mit Verbänden, der Wirtschaft und Wissenschaft.

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VII. Fazit und Ausblick

Das Copernicus-Programm hat seit seiner Gründung Ende der 1990er-Jahre viele positive Impulse in den Bereichen Umwelt, Nachhaltigkeit und Katastrophenmanagement bewirkt. Nun gilt es dieses Erfolgsmodell mit weiteren Anstrengungen in die wirtschaftliche Breite zu tragen und vor allem für die Privatwirtschaft neue Anreize der Copernicus-Nutzung zu schaffen. Um dies zu erreichen, gilt es wichtige Leitplanken stärker als bisher zu setzen. Dies betrifft nach Ansicht des DDGI vier wesentliche „Handlungsfelder im Zeichen des digitalen Wandels“:

1. Copernicus und die Digitalisierung

Ziel muss es sein, einen flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Ausbau digitaler Infrastrukturen zu erreichen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass moderne Datenvernetzungs- und Verarbeitungsprozesse auf solide und performante IT-Infrastrukturen angewiesen sind. In diesem Zuge sollte eine verstärkte Forschungsförderung mit Unterstützung der Politik erfolgen. Denn neue Lösungen und Methoden in der Datenverarbeitung sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für zukünftige Copernicus-Anwendungen – gerade mit Blick auf die weiter steigenden Datenmengen im Big-Data-Zeitalter.

2. Aus- und Weiterbildung

Die Aus- und Weiterbildung im Copernicus- und Geoinformationsumfeld ist eines der zentralen Themen. Dementsprechend sollte das Thema des Wissenstransfers oben auf der Prioritätenliste der Politik stehen. Diese muss Impulse geben und neue Wege für ein qualitatives Mehr an beruflicher Bildung setzen, fördern und mit gezielten Leuchtturmprojekten begleiten. Ein positives Beispiel liefert die Copernicus Academy, mit der die Europäische Kommission in die richtige Richtung geht.

3. Branchen und Akteure

Um einen breiteren Zugang für die Privatwirtschaft zu Copernicus-Diensten und -Daten zu forcieren, muss die Kontinuität des Datenangebots sichergestellt und technisch erweitert werden. Zudem sind vermehrte Anstrengungen und wirtschaftliche Anreize vonseiten der Politik notwendig, damit Copernicus-Dienste für weitere Branchen und (Wirtschafts-)Bereiche, entwickelt werden und den digitalen Wandel von Industrie 4.0 voranbringen.

4. In situ-Komponente und EU-Vorgehen

Innerhalb der EU muss die Harmonisierung von In-situ-Daten und -Diensten vorangetrieben werden. Hierzu zählt vor allem der freie Zugriff auf nationale und europäische In-situ-Daten. Wichtig ist dies vor allem, um einen flächendeckenden Nutzen des Copernicus-Programms zu erreichen. Hierzu sind länderübergreifende Standards und Prozesse notwendig. Denn der wirtschaftliche Nutzen von In situ-Daten kann sich nur mit einer offenen und breit angelegten europäischen Gesamtstrategie entfalten.

Grundlegend lässt sich feststellen, dass der weitere Erfolg des Copernicus- Programms maßgeblich von der stärkeren Einbindung der Privatwirtschaft abhängig ist. Unternehmen brauchen Betriebs- und Investitionssicherheit, sowohl bei der Weltraumkomponente als auch den In-situ-Daten und -Diensten.

Möchten die Copernicus-Verantwortlichen das Programm stärker in die Breite tragen und damit Erfolg haben, ist zudem der weitere Ausbau der Infrastruktur unerlässlich. Gelingt dies, können neue Copernicus-Vorhaben im privatwirtschaftlichen Bereich zukünftig stärker verankert werden. Hierzu zählt auch der offene Zugang zu Daten und Diensten im europäischen Kontext. Erste Impulse sind gesetzt – sei es im Digitalisierungsumfeld oder dem Wissenstransfer. Darüber hinaus braucht es der Anstrengungen aller und besonders der Politik, um die richtigen Weichen für das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus in einer sich wandelnden Welt zu stellen. Ein Prozess, den der DDGI als Dachverband für Geoinformationen aufgrund seiner Expertise im Copernicus-Umfeld maßgeblich mitgestalten wird.

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VIII. Die Leistungen des DDGI

Der DDGI versteht sich als das Technologie- und Ideennetzwerk für Forschung, Entwicklung, Lehre, behördliche Institutionen sowie Wirtschaft und Privatpersonen aus der Geoinformationsbranche. Der Verband schafft Begegnungsräume und Schnittstellen zwischen den wichtigsten Akteuren und ist Multiplikator im Sinne der gesamten Geoinformationsbranche. Vor diesem Hintergrund bietet der DDGI optimale Möglichkeiten, um Analysen zu betreiben, Empfehlungen zu erarbeiten und Best-Practice-Beispiele in die Breite zu tragen. Damit ist der DDGI Impulsgeber und erster Ansprechpartner für die Geoinformationswelt.

Die im DDGI organisierten Firmen sind eng mit ihren Kunden verbunden, sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich – bis hin zum Verbrauchermarkt. Was zeichnet den DDGI im Copernicus-Bereich aus und welchen Mehrwert erhalten Wirtschaft, Wissenschaft und der öffentliche Sektor durch eine Kooperation?

  • Der DDGI ist mit seiner Expertise erster Ansprechpartner im Bereich der Adaptierbarkeit der Copernicus-Dienste in neue Geschäftsmodelle.

  • Der DDGI agiert dank seiner Vernetzung europaweit, schlägt Brücken und vermittelt mögliche Kooperationspartner aus der Wirtschaft und Wissenschaft.

  • Der DDGI setzt mithilfe eines branchenübergreifenden Know-hows neue Impulse für die Wirtschaft und damit einen Mehrwert im Privatsektor.

  • Der DDGI ist mit seinen EUROGI-Verbindungen zu den Schwesterverbänden in anderen europäischen Ländern Transmissionsriemen von Best-Practice- Lösungen – grenzüberschreitend.

  • Der DDGI versteht sich als die Interessenvertretung im Geoinformationsumfeld, im Sinne neuer politischer-, wirtschaftlicher- und wissenschaftlicher Impulse und Ideen.

Über den DDGI

Der Deutsche Dachverband für Geoinformation e. V. (DDGI) ist erster Ansprechpartner sowie Impuls- und Ideengeber im Geoinformationsumfeld. Die Bedeutung für die politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Arbeit vermittelt der DDGI mithilfe eines starken Netzwerkgedankens, dem fundierten Know-how in allen Branchen und der Nähe zum Marktgeschehen. Das Ziel ist es, Geoinformationen und den volkswirtschaftlichen Nutzen im öffentlichen Bewusstsein stärker zu verankern. Dank der engen Verzahnung im politischen Umfeld ist der DDGI zugleich erstes Sprachrohr für sämtliche Belange der Geoinformationsbranche auf EU-, Bundes- und Landes-Ebene. So ist der DDGI auf europäischer Ebene die deutsche Interessenvertretung im europäischen Dachverband European Umbrella Organisation for Geographic Information (EUROGI). Zudem ist der DDGI bei der EU- Kommission als Lobbyverband akkreditiert.

Kontakt:

Deutscher Dachverband für Geoinformation e. V. (DDGI)
Geschäftsstelle
Hügelstraße 15
D-42277 Wuppertal

Telefon: +49 (0)202/4788724
Fax: +49 (0)202/4788725
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Partnerschaften des DDGI:

DDGI Copernicus Partnerschaften

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IX. Anhang

1. Beispiele für die Unternehmenspraxis

Anwendungsbeispiele aus den Themenbereichen Landmonitoring, Umwelt- und Naturschutz, Binnen- und Küstengewässer, Wälder und Forstwirtschaft, Katastrophenmanagement, Stadt- und Regionalplanung, Verkehr und Mobilität werden auf den europäischen und deutschen Copernicus-Seiten vorgestellt:

https://www.d-copernicus.de/daten/beispiele-und-anwendungen/

und

https://www.copernicus.eu/en/use-cases.

Demonstrationsprojekte

Demonstrationsprojekte mit Beteiligung privatwirtschaftlicher Nutzer führt die ESA im Business Applications Programm durch, eine Aufstellung der Projekte findet sich auf der Programmwebseite:

https://business.esa.int/projects

Neue Serviceideen

Neue Serviceideen für Copernicus-Anwendungen werden regelmäßig über den Wettbewerb Copernicus-Masters prämiert. Die erfolgreichen Wettbewerbsteilnehmer mit ihren Serviceideen werden auf der dazugehörigen Webseite vorgestellt:

https://www.copernicus-masters.com/hall-of-fame/#all-winners

Ausgewählte Anwendungsbeispiele

Landwirtschaft und Pflanzenproduktion

Satellitenbilder unterstützen heute eine standortgerechte Pflanzenproduktion, indem Unterschiede der Versorgung mit Wasser und Nährstoffen in den Daten frühzeitig erkennbar sind und diese Information die Grundlage z.B. für Düngemaßnahmen sein können. Im TalkingFields Projekt wurden entsprechende Service-Möglichkeiten entwickelt:

https://business.esa.int/projects/talkingfields

und

http://www.talkingfields.de.

Bodenbewegung

Aktuell wird mit dem Bodenbewegungsdienst Deutschland (BBD) eine wichtige Copernicus-basierte Informationsgrundlage für die Überwachung von Bodenbewegungen z.B. durch Bergbaufolgen oder natürliche geologische Ursachen entwickelt:

https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/GG_Fernerkundung/Projekte/laufend/Radar/BBD.html.

Nutzungsmöglichkeiten dieses Dienstes liegen insbesondere auch im ingenieurgeologischen Bereich, um die Sicherheit von Baumaßnahmen und Gebäuden langfristig gewährleisten zu können, siehe auch

www.gmes4mining.info

und

http://infrastructures2019.esa.int/agenda/.


Maritime Wirtschaft

Mehr Sicherheit und geringere Kosten beim Schiffsverkehr lassen sich durch die Integration aktueller Erdbeobachtungsinformationen in Dienste für die Seeschifffahrt erzielen. Die Optimierung von Schiffsrouten, tagesaktuelle Eisdienste, oder Seeboden-Kartierungen können davon profitieren, aber neben der Schifffahrt werden Mehrwerte ebenso für die Offshore-Industrie oder auch Notfall- und Bergungsdienste geschaffen. In dem Projekt MARSAT werden diese Ansätze aktuell untersucht und entwickelt. Weitere Informationen unter

www.marsat-project.org.

Stadtentwicklung und Baumonitoring

Auch für den Themenkomplex der Stadtentwicklung werden die Copernicus-Daten und Diensteangebote immer interessanter. So können Informationen für Fragestellungen eines effizienten (Stadt-)Flächenmanagements oder zur optimierten Verkehrsplanung mit dem Ziel der Minimierung von Luftschadstoffbelastungen bereitgestellt werden, aber auch regelmäßige Monitoring-Dienste, um den Fortschritt von Bauprojekten einfacher verfolgen zu können. Informationen zu diesen Beispielen finden sich unter:

https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/mfund-projekte/incora.html

https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/DG/mfund-projekte/sauber.html

https://www.copernicus-masters.com/winner/building-radar-construction-detection-monitoring/

2. Literaturangaben

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) (2017): Die Copernicus Strategie der Bundesregierung. Berlin.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2017): Weißbuch Digitale Plattformen. Berlin.

Deutscher Dachverband für Geoinformation e.V. (DDGI) (2014): Positionspapier: COPERNICUS und Geoinformationen. Wuppertal.

IW Consult GmbH (2016): Der Weg in die Gigagesellschaft. Köln.

Keuck, Vanessa; Hoffmann, Jörn (2016): Eine Copernicus-Plattform für Deutschland. In: Kolbe, Thomas H.; Bill, Ralf; Donaubauer, Andreas (Hrsg.): Geoinformationssysteme 2016. Beiträge zur 3. Münchner GI-Runde. Berlin/Offenbach: Wichmann Verlag, S.155-160.

Schönthaler, Konstanze; von Andrian-Werburg, Stefan; Zebisch, Marc; Becker; Daniel (2017): CLIMATE CHANGE 07/2017, Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Welchen Beitrag können Satellitenfernerkundung und insbesondere Copernicus-Daten und - Dienste für die Ermittlung ausgewählter Indikatoren des Indikatoren-Sets der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) leisten. Dessau-Roßlau.

3. Weiterführende Informationen

Die folgende Linkliste ist nur ein Auszug zu weiterführenden Informationen rund um das Thema Copernicus und Geoinformation:

Interministerieller Ausschuss für Geoinformationswesen (IMAGI), Leitung der Geschäftsführung durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI):

www.imagi.de

Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG):

 www.bkg.bund.de

Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI):

 www.bmvi.de

Copernicus Data and Exploitation Plattform – Deutschland (CODE-DE):

 https://code-de.org/

Copernicus:

 www.d-copernicus.de

sowie demnächst

www.fernerkundung.org

Copernicus (EU):

www.copernicus.eu

Deutscher Dachverband für Geoinformationen e. V. (DDGI):

www.ddgi.de

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR):

www.dlr.de

European Association of Remote Sensing Companies (EARSC):

http://earsc.org/

European Space Agency (ESA):

www.esa.int

European Umbrella Organisation for Geographic Information (EUROGI):

http://eurogi.org/

GDI-DE:

www.geoportal.de

INSPIRE:

https://inspire.ec.europa.eu/

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  pdf Positionspapier Copernicus und Geoinformation  als PDF-Download (462 KB)